Schäden am Kunstwerk – Teil 2: Bei einem Vorfall richtig handeln

Jana Kouril
Jana Kouril
Senior Assistant
Schäden am Kunstwerk – Teil 2: Bei einem Vorfall richtig handeln

Was passiert, wenn eine Beschädigung eines Kunstwerks nicht verhindert werden konnte? Lesen Sie den zweiten Teil unseres Blog-Beitrags "Schäden am Kunstwerk – Teil 2" und finden Sie heraus, wie Sie vorgehen müssen.

Wenn die Beschädigung eines Kunstwerks nicht verhindert werden kann, was sollte man tun? In unserem ersten Teil über «Schäden am Kunstwerk» haben wir darüber geschrieben, wie man Schäden im Vorfeld vermeiden kann. Leider ist dies nicht immer möglich. Deshalb zeigen wir heute auf, wie man im Schadensfall am besten vorgeht.

 

Bei einem Vorfall richtig handeln

Gehen Sie nicht von der falschen Annahme aus, dass Ihr Kunstwerk unzerstörbar ist, nur weil Sie es besitzen und einen hohen Preis dafür bezahlt haben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass mit dem Preis, der Materialität oder der Herkunft des Werks etwas nicht stimmt, wenden Sie sich an einen Kunstexperten / eine Kunstexpertin, an einen Kunsthistoriker / eine Kunsthistorikerin oder einen Konservator / eine Konservatorin, der oder die mit dem Kunstwerk oder dem Oeuvre der Künstlerin oder des Künstlers vertraut ist. So ist Ihnen mehr Zeit vergönnt, die Schönheit Ihres Meisterwerks zu geniessen.

Marcus Jacob von Jacob Fine Art Services LLC bei der Arbeit in Basel. Foto: zur Verfügung gestellt.

 

1. Zeit ist Geld, also handeln Sie schnell

Es gibt leider mehrere Szenarien, warum ein Kunstwerk beschädigt wird. Dies kann beim Transport geschehen, aber auch bei der Handhabung, beim Ausstellen oder durch Alterungs- oder Zersetzungsprozesse, die aufgrund der Materialität schon angelegt sind.

In erster Linie sollten Sie Ihr Kunstwerk nicht selbst restaurieren.

  • Rufen Sie sofort eine Expertin oder einen Experten an.
  • Halten Sie einen Zustandsbericht bereit.
  • Lassen Sie im Falle einer Beschädigung zuerst prüfen, ob die Veränderung in keiner Weise ein integraler Bestandteil des Kunstwerks ist.

Der Künstler Dieter Roth schuf beispielsweise Kunstwerke aus Schokolade, die den Prozess des Zerfalls in sich tragen. In diesem Fall ist die Veränderung ein vom Künstler gewollter Prozess. Natürlich können solche Kunstwerke auch behandelt werden. Künstlerinnen oder Künstler, die in diese Kategorie fallen, sind in der Regel solche der Zeitgenössischen Kunst, wie beispielsweise Robert Gober, Paul McCarthy, Matthew Barney oder Janine Antoni, um nur einige zu nennen.

Für solche Fälle gibt es Spezialisten wie den Konservator Christian Scheidemann in New York, der über jahrzehntelange Erfahrung in der Behandlung und Restaurierung von Werken aus Lebensmitteln, Pflanzen, Tieren oder anderen zersetzbaren Materialien verfügt. (faz

Aber denken Sie daran, dass es nicht an Ihnen liegt, zu entscheiden, ob der Schaden integraler Bestandteil des Werks ist. Überlassen Sie die Entscheidung einer Expertin oder einem Experten.

Das Vorgehen im Schadensfall führte bisweilen zu sehr unterhaltsamen und kuriosen Anekdoten: Zum Beispiel erzählte der berühmte Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung, wie er selbst mit einem Kunstwerk des deutschen Malers Anselm Kiefer umgegangen ist. Er klebte die Strohhalme, die von der Leinwand fielen, einfach eigenhändig wieder an.  (sueddeutsche)

2. Steigender versus sinkender Wert

In der Regel kann man annehmen, dass der Wert eines Kunstwerks, das als beschädigt gilt, abnimmt.

ABER: Wenn es richtig behandelt wird, kann man seinen Wert erhalten.

Wie immer, bestätigt die Ausnahme die Regel:

Während einer Live-Auktion bei Sotheby’s London 2018 zerstörte der britische Strassenkünstler Banksy sein eigenes Werk, Girl with a Ballon, mit Hilfe eines im Bildrahmen versteckten Schredder-Mechanismus’. Als der Hammer fiel, zerschnitt dieser das Werk zu Dreivierteln.  Die riesige PR-Maschinerie und die Umdeutung des intendierten «Schadens» zum performativen Teil des Werkes führten schliesslich zu einer Wertsteigerung.  (artnet)

Ein weiteres Beispiel ist der berühmte Verkauf von Da Vincis Werk Salvator Mundi, das 2017 für eine Rekordsumme von 450,3 Millionen Dollar verkauft wurde und den höchsten jemals für ein Kunstwerk bezahlten Preis erzielte, ungeachtet der Tatsache, dass Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker sowie andere Kunstexpertinnen und Kunstexperten gleichermassen geteilter Meinung darüber waren, ob das Kunstwerk überhaupt von Da Vinci selbst gemalt wurde. Zudem dauerte es Jahre der Restaurierung, um es präsentabel und verkäuflich zu machen. (bloomberg).

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, ca. 1500, Department of Culture and Tourism, Abu Dhabi (Public Domain).

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, um 1500, Department of Culture and Tourism, Abu Dhabi (Public Domain).

 

3. Schlimmster Fall: Totalschaden

Wenn ein wertvolles Kunstwerk – etwa durch Fallenlassen, Zerreissen, einen Brand oder einen anderen unsachgemässen Umgang – so stark beschädigt wird, dass der Eigentümer oder die Eigentümerin des Kunstwerks und eine Schätzerin oder ein Schätzer darin übereinstimmen, dass es nicht restauriert werden kann oder die Kosten für die Restaurierung zu hoch wären, verliert das Kunstwerk seinen Wert. Die Versicherungsgesellschaft zahlt den Wert des Kunstwerks aus; das Kunstwerk wird dann gesetzlich als "Nullwert" deklariert. In der Sprache der Versicherer wird das Werk als "Totalschaden" eingestuft.

  • Die gute Nachricht für Sie als Eigentümerin oder als Eigentümer: Sie erhalten Ihr Geld zurück.
  • Die schlechte Nachricht: Ihr Kunstwerk gilt auf dem Kunstmarkt nicht mehr als Kunst und ist daher nicht marktfähig.

Was bleibt zu tun? Darf man es in den Müll werfen? Wahrscheinlicher ist es, dass es mit anderen beschädigten Werken eingelagert oder sogar wieder ausgestellt wird. Auf diese Weise wird ihm ein zweites Leben ausserhalb des Kunstmarktes geschenkt. (artsy)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Kunstwerken umzugehen, die von Versicherungsgesellschaften nicht mehr als Kunst angesehen werden. Die polnisch-amerikanische Künstlerin Elka Krajewska gründete 2010 das Salvage Art Institute in New York, um Kunstwerke mit Nullwert zu lagern und auszustellen (http://salvageartinstitute.org/).  Auch wenn die Werke ihren kommerziellen Wert verloren haben, haben sie immer noch einen Wert, der für die Künstlerinnen und Künstler, die sie geschaffen haben, für Betrachtende, Kunstliebhabende und Geschichtenerzählende noch immer hoch sein kann: kein monetärer, sondern ein immateriell-emotionaler Wert, der weiterhin zur Auseinandersetzung mit den entsprechenden Kunstwerken anregt.

Sollten Sie jemals in die Situation geraten, dass ein Kunstwerk beschädigt wird und Sie mit dem unliebsamen Vorfall umgehen müssen, zögern Sie bitte nicht, uns anzurufen. Wir beraten Sie gerne.